{"id":29736,"date":"2026-09-10T09:46:26","date_gmt":"2026-09-10T07:46:26","guid":{"rendered":"https:\/\/vetzberg.bibibo.info\/?p=29736"},"modified":"2026-09-10T09:54:29","modified_gmt":"2026-09-10T07:54:29","slug":"das-gewoelbestuebchen-auf-burg-vetzberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vetzberg.bibibo.info\/?p=29736","title":{"rendered":"Das Gew\u00f6lbest\u00fcbchen auf Burg Vetzberg"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gastbeitrag von Gabriele W\u00f6lfl, 1. Vorsitzende Vetzbergverein<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"528\" src=\"https:\/\/vetzberg.bibibo.info\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/cropped-Vetzberg-Friedhelm-20240202_124720-2000-1-1024x528.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-20183\" srcset=\"https:\/\/vetzberg.bibibo.info\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/cropped-Vetzberg-Friedhelm-20240202_124720-2000-1-1024x528.jpg 1024w, https:\/\/vetzberg.bibibo.info\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/cropped-Vetzberg-Friedhelm-20240202_124720-2000-1-300x155.jpg 300w, https:\/\/vetzberg.bibibo.info\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/cropped-Vetzberg-Friedhelm-20240202_124720-2000-1.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Blick von Rodheim aus, Foto: F. Scholz<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es wurde schon oft gemunkelt, dass die Gemahlin von Konrad von Dernbach, der 1226 als Stammvater der Burg genannt wird, immer noch in den tiefen Gew\u00f6lben der Burg wohnt.<br>Zwei Rodheimer Knaben hatten sich im Eifer der Jugend bis an die Ruinen des alten Bergfrieds der Burg Vetzberg hinaufgespielt und suchten dort zwischen Brombeerranken und moosigen Felstr\u00fcmmern ihr Versteck. <br>Noch atemlos vom Aufstieg entdeckten sie eine eisenbeschlagene Pforte unter einer halbversch\u00fctteten Treppe, nahmen sich ein Herz und h\u00e4ngten sich an die schwere Klinke. Knarrend wich die T\u00fcr ihrem vereinten Druck, und w\u00e4hrend sich ihnen das Netz einer Spinne \u00fcber Gesicht und Haare klebte, traten sie beklommenen Mutes in den d\u00e4mmerigen Raum. <br>Hier fanden sie alles so \u00fcberraschend niedlich und wohlgeordnet, von der dunklen Holzdecke bis zu den Truhen, steifen St\u00fchlen und bunten Fensterscheiben, dass sie auch beim Anblick der Frau, die wei\u00df gekleidet am Spinnrad sa\u00df, kein Grauen empfanden.<br>Die Gestalt winkte die Knaben freundlich heran, fragte sie nach ihren Eltern, wobei sie mitleidig nickte, als sie vom fr\u00fchen Tod des Vaters h\u00f6rte; denn die Knaben waren die S\u00f6hne einer armen Witwe. <br>Zutraulich erz\u00e4hlten sie von der h\u00e4uslichen Armut und von dem flei\u00dfigen Tagewerk der Mutter, von Schule, Dorf und ihren kleinen Abenteuern, dass die Alte recht ihre Freude daran hatte. So schenkte sie denn jedem zum Abschied eine Handvoll Flachsknoten, strich ihnen \u00fcber die blonden Sch\u00f6pfe und hie\u00df sie mit freundlichem Gru\u00df wieder gehen.<br>Es war sp\u00e4t geworden, und die Mutter in Rodheim hatte schon sorgenvoll in der Haust\u00fcr gestanden, als die Jungen endlich, noch ganz erf\u00fcllt von dem seltsamen Vorfall in der alten Burg, der Mutter schmeichelnd um den Hals fielen. Sie erz\u00e4hlten ihr das wunderbare Erlebnis und zeigten die sch\u00f6nen Samenkn\u00f6pfe. Die Mutter ahnte gleich, welche Bewandtnis es mit diesen Gaben habe, und verschloss das Geschenk der geheimnisvollen Frau in ihrer Lade. Am n\u00e4chsten Morgen waren die Knoten in lauter blanke Dukaten verwandelt. So arm die Frau auch war, dies Geld legte die sorgsame Mutter zur\u00fcck; denn ihre Jungen sollten einmal was Rechtes damit beginnen.<br>Solcherart hatten die Br\u00fcder bisher ein gleiches Geschick. Aber sie waren doch allzu verschieden geartet. Der \u00e4ltere strebte einem ehrsamen Handwerk zu und lernte seinem Meister mit Flei\u00df die Geheimnisse seiner Kunst ab. Der j\u00fcngere machte sich lieber bequeme Tage. <br>So kam die Zeit der Wanderschaft heran. <br>Der \u00e4ltere lie\u00df sein Verm\u00f6gen zu Hause in Mutters Kasten, tat sich flei\u00dfig in der Welt um, lernte noch manchen Kunstgriff in seinem Handwerk dazu, war t\u00fcchtig und sparsam und kehrte drei Jahre sp\u00e4ter geachtet als Meister zur\u00fcck.<br>Der j\u00fcngere Bruder zog auch in die Welt, steckte aber das Gold der geheimnisvollen Frau in die Tasche, lebte auf gro\u00dfem Fu\u00df und hatte sein Geld bald in lustiger Gesellschaft vertan. <br>Als er dann unbelehrt zur\u00fcckkam, dachte er: &#8222;Gleich gehst du wieder ins Gew\u00f6lbest\u00fcbchen und holst dir Nachschub,&#8220; lief auf den Vetzberg, suchte in allen Winkeln die verborgene Kammer, rief nach der Spinnerin und wollte und wollte nicht unbeschert weichen. <br>Als er aber gar nicht aufh\u00f6rte mit seinem Bettelgeschrei, knallte ihm pl\u00f6tzlich eine Backpfeife in das Gesicht, dass ihm alle Sinne vergingen und er den Abhang hinunterkollerte. Zu Hause erschien ein roter Fleck auf der geschlagenen Wange; der wollte vor keiner Seifenlauge vergehen und hat sich auch auf Kinder und Kindeskinder fortgeerbt als ein Zeichen der Torheit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gastbeitrag von Gabriele W\u00f6lfl, 1. 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